Interview mit Gudrun Rapke

portrait_rapkeFrau Rapke, Sie bieten ungewöhnliche Themen an, ungewöhnlich für die Welt der Unternehmen, in der doch meist Zahlen und Fakten im Mittelpunkt stehen. Wie sind Sie zu Ihren Themen gekommen?

Meine Themen sind das Ergebnis einer langen persönlichen Entwicklung. Schon immer ärgert mich die Diskrepanz zwischen Wissen und Tun, egal in welchem Lebens- und Tätigkeitsbereich. Im Rahmen meiner eigenen Fortbildung stieß ich vor etwa 10 Jahren auf Seminare mit Shao Lin Mönchen, wo es darum ging, das eigene Energielevel zu erhöhen und die eigenen Kräfte so zu bündeln, dass ungeahnte Leistungen möglich sind. Die dort gelernten Grundtechniken lassen sich auf die unterschiedlichsten Bereiche anwenden. Bei mir sind es auf Grund meiner Grundausbildung, meiner Erfahrungen als selbständige Unternehmerin und meiner Interessen die Bereiche der zwischenmenschlichen Kommunikation und der Persönlichkeitsentwicklung.


Sie erzielen eine Resonanz, die mich in ihrem Ausmaß überrascht. Ich dachte, Firmen wie Seminarteilnehmer hielten sich viel mehr zurück bei solchen sehr persönlichen Themen. Wie erklären Sie sich diesen Zuspruch?

Jeder Mensch wird täglich mit seinen Stärken und Defiziten konfrontiert und sucht nach Wegen, die ihn die Arbeit und das Leben schlechthin mit Freude  bewältigen lassen. Leistung macht ja Spaß! Doch wie oft stehen wir uns selbst im Wege und blockieren uns und unseren Erfolg? Da nenne ich zuerst Ängste und Zweifel und was Ihnen sonst noch an negativen Gefühlen einfällt. Wenn man genau hinsieht, sind das alles unsere eigenen Gedanken, die uns hier ein Bein stellen. Und wenn ich in meinem Seminaren nun Wege aufzeige, wie man seine Gedanken zumindest teilweise kontrollieren, sie im gewünschten Sinne bewusst einsetzen und somit tatsächlich Änderungen herbeiführen kann, so ist das für jeden, Chef oder Mitarbeiter, ein Gewinn.

Ihre Auftraggeber erleben einen Nutzen, sonst würden sie Sie ja nicht immer wieder buchen. Welche Wirkung haben Ihre Trainings?

Als erstes eruieren wir die beruflichen Anforderungen, die an meine Seminarteilnehmer gestellt werden. Welche Eigenschaften und Fähigkeiten werden verlangt bzw. verlangen sie von sich selbst. Hierbei wird schnell klar, dass die Defizite weniger im gelernten als im intuitiven Wissen liegen. Aufkommende Emotionen stellen den Menschen in entscheidenden Situationen doch immer wieder ein Bein und blockieren die Abrufbarkeit des fachlichen Know-How. Das vorhandene Wissen mit positiver Energie zu verbinden, das scheint mir das Entscheidende. Und darauf konzentriere ich mich.

Die Seminarteilnehmer gehen nach den Schulungen anders mit ihren Kollegen, Mitarbeitern, Chefs um, aber auch anders mit sich selbst. Das Verständnis für die Verhaltensweisen anderer ist deutlich größer als vorher, vor allem aber das Verständnis für die eigenen Reaktionen und Befindlichkeiten. Sie können  Gedanken, Worte und Taten besser miteinander verbinden oder, anders ausgedrückt, ihre eigenen Gedanken und Empfindungen besser steuern. Das führt zu immer mehr Konsequenz, zu entschlossenerem Handeln, zu mehr Sicherheit in kritischen Situationen, zu mehr Gelassenheit gegenüber schwierigen Kunden, kurz: zu mehr Leistung.

Auf dem Feld der Persönlichkeitstrainings tummeln sich Viele, neben praxiserprobten Experten wie Sie auch jede Menge Möchtegern-Therapeuten, Schaumschläger oder selbsternannte Gurus. Worauf müssen Anwender wie ich achten, um die Spreu vom Weizen zu trennen?

Ich denke, es kommt darauf an, ob die beschrittenen Wege, wie unkonventionell sie auch sein mögen, zu einem konkreten Ziel führen. Bei meinen Themen geht es ja neben einer gewissen Wissensvermittlung hauptsächlich um Verhaltensänderung. Das heißt, dass das Gelernte und Erfahrene in der Praxis ganz reell anwendbar ist. Bei Schaumschlägern merkt man schon im Gespräch, manchmal auch im Gedruckten, ob die auf Wolke 7 schweben oder mit beiden Beinen auf der Erde stehen. Auf letzteres kommt es mir an. Ist das ein Kriterium für Sie?

Was raten Sie Unternehmen, die die Kommunikationsfähigkeit ihrer Mitarbeiter noch weiter verbessern wollen?

Ich empfehle hier den Mut zu (noch) ungewohnten Wegen. Das klassische Kommunikationstraining, in dem Sätze gelernt wurden, die man zu sagen hat, hat sich selbst längst überlebt. Den Mut braucht die Firmenleitung, aber auch jeder Teilnehmer, für folgendes: in den eigenen Spiegel schauen, eigene Schwächen liebevoll annehmen, Bereitschaft, sich von der Oberflächlichkeit zu verabschieden und rational wie emotional in die Tiefe zu gehen -  und auch den Mut, mich zu buchen  ;-) . Ganz wichtig ist mir, dass die Chefs sich selbst diesen Themen stellen und bereit sind, an sich zu arbeiten. Denn es wird besser funktionieren, wenn eine bestimmte Art zu denken, zu handeln und miteinander umzugehen, auf allen Ebenen eines Unternehmens gelebt wird. Zu meiner großen Freude arbeite ich seit geraumer Zeit immer häufiger in Firmen, wo genau dies gesehen  und wo entsprechend gehandelt wird.

Liebe Frau Rapke, besten Dank für dieses Gespräch.